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Eingewöhnung

Was sind unsere Kinder?


Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie Euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht Eure Gedanken. Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber Nicht ihren Seelen. Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, Das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal In euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein; Aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch Verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als Lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und Weit fliegen. Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein. Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, So liebt Er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran: Der Prophet

Jeremya

 

Diese Zeilen sprechen mir aus dem Herzen!

 

Ihr wollt mir das wohl wertvollste Gut eures Besitzes anvertrauen, darum ist es mir wichtig, dass wir gemeinsam um das höchste Maß an Wohlergehen bemüht sind.

 

Um dies zu gewährleisten, sind unter anderem folgende Kriterien für die Eingewöhnungszeit zu beachten.

 

 

Empfohlenes Vorgehen

Alle Kinder sollten zu Beginn des Besuchs einer Kindertageseinrichtung während einer Eingewöhnungszeit von einem Elternteil (oder einer anderen Bindungsperson) begleitet werden. Die Bindungsperson steht dem Kind zur Sicherung und Unterstützung seiner Anpassungsleistungen zur Verfügung.

Die begleitete Eingewöhnungszeit dauert mindestens eine Woche.

Für eine Mehrzahl der Krippenkinder sind in der Regel zwei bis drei Wochen notwendig. Die Eingewöhnungszeit

ist beendet, wenn das Kind eine tragfähige Beziehung zur Erzieherin aufgebaut hat und bei Bedarf von ihr getröstet werden kann.

Die tägliche begleitete Anwesenheitszeit des Kindes in der Einrichtung sollte während der Eingewöhnungszeit und zwischen ein und zwei Stunden dauern. In Abhängigkeit von der erkennbaren Belastung für das Kind können kürzere oder längere Zeiten sinnvoll sein.

Vor dem vierten Tag sollen keine Versuche unternommen werden, das Kind einige Zeit ohne die Anwesenheit der Begleitperson zu betreuen. Wenn irgend möglich, sollte das Kind nach Abschluss der Eingewöhnungszeit während der ersten Wochen die Einrichtung nur halbtags besuchen.

Es sollten pro Gruppe nicht mehr als höchstens zwei Kinder pro Woche aufgenommen werden, besser nur ein Kind. Der Aufbau der Beziehung zwischen Kind und Erzieherin erfordert auch von dieser Zeit und Kraft, die durch die parallele Aufnahme mehrerer Kinder auch zur Überforderung der Erzieherin führen kann. In einer Untersuchung im

Berliner Bezirk Spandau wurden Hinweise auf eine solche Entwicklung gefunden.

Die Eltern sollten bereits bei der Anmeldung des Kindes informiert werden, dass eine Begleitung des Kindes in den ersten ein bis drei Wochen von ihnen erwartet wird, um ihnen die Möglichkeit der Planung zu geben.

 

 

 

 

Das Eingewöhnungsmodell für Krippen und Tagespflegestellen

 

Kurzbeschreibung

Das Eingewöhnungsmodell lässt sich charakterisieren durch:

 

1. Eine rechtzeitige Information der Eltern des Kindes darüber, dass ihre Beteiligung

am Eingewöhnungsprozess des Kindes erwartet wird, über die Bedeutung

ihrer Anwesenheit für das Kind, sowie über Einzelheiten des Eingewöhnungsprozesses.

Die Eltern sollten vorbereitet werden auf den zu erwartenden und wünschenswerten

Aufbau einer Beziehung des Kindes zu seiner Erzieherin und seine

Bedeutung für das Kind. Wichtig ist der Hinweis darauf, dass die Eltern Hauptbindungspersonen

bleiben werden. Ziel dabei ist es, eventuell vorhandene Trennungsängste

der Eltern zu mildern, die sonst den Eingewöhnungsprozess des

Kindes außerordentlich erschweren können. In der Praxis hat sich inzwischen gezeigt,

dass so gut wie alle Eltern bereit sind, ihr Kind in den ersten Tagen zu begleiten.

Ein "Eltern-Info zur Eingewöhnung" (Ohne Eltern geht es nicht …) kann

über den Buchhandel bezogen werden.

 

2. Eine dreitägige Grundphase der Eingewöhnung, während der ein Elternteil das

Kind in die Krippe begleitet und sich dort zusammen mit ihm für ein oder zwei

Stunden in der Einrichtung aufhält. Wenn das Kind eine enge Beziehung zur Oma

oder zu einer anderen Person hat, kann auch sie diese Rolle übernehmen. Allerdings

würde hierbei die Chance zum gegenseitigen Kennenlernen für die Eltern

des Kindes und die Erzieherinnen bzw. die Tagesmutter vergeben werden.

Verhaltensempfehlungen durch die Fachkraft sollen Unsicherheiten bei den Eltern

abbauen und dem Kind die Eingewöhnung erleichtern. Dazu gehören etwa die

folgenden Vorschläge: Die Eltern sollten sich in der Einrichtung eher passiv

verhalten, ihr Kind auf keinen Fall drängen, sich von ihnen zu entfernen und es

immer akzeptieren, wenn das Kind ihre Nähe sucht. Das Kind wird von selbst

beginnen, die neue Umgebung zu erkunden, wenn es dazu bereit ist. Es wird sich

vielleicht von Zeit zu Zeit mit raschen Blicken vergewissern, ob es noch die

Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater hat und sich ggf. in den "sicheren Hafen"

ihrer Nähe flüchten.

Diesen "sicheren Hafen" zu spielen, ist exakt die Aufgabe des eingewöhnenden

Elternteils. Dieser sollte weder versuchen, das Kind zu unterhalten, noch sollte er

mit anderen Kindern spielen, nach Möglichkeit auch nicht lesen oder stricken.

Das Kind braucht vor allem in den ersten drei Tagen das Gefühl, jederzeit die

volle Aufmerksamkeit von Mutter oder Vater zu haben.

 

Die Erzieherin bzw. die Tagesmutter versucht vorsichtig und ohne zu drängen,

am besten über Spielangebote oder Beteiligung am Spiel des Kindes, Kontakt zu

ihm aufzunehmen. Sie beobachtet sorgfältig die Interaktion zwischen Kind und

Mutter bzw. Vater und sucht nach Anhaltspunkten, die für eine kürzere oder längere

Eingewöhnungszeit sprechen.

Trennungsversuche finden in der Grundphase nicht statt.

 

3. Eine vorläufige Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnungszeit am vierten

Tag. An diesem Tag unternimmt der begleitende Elternteil einen ersten Trennungsversuch.

Einige Minuten nach Ankunft im Gruppenraum verabschiedet er

sich vom Kind und verlässt den Raum, auch wenn das Kind protestiert, bleibt

aber in der Nähe der Tür.

Reagiert das Kind auf den Weggang von Mutter oder Vater eher gleichmütig, ist

es weiter interessiert an seiner Umgebung und bleibt ansprechbar, so kann diese

erste Trennungsepisode bis maximal 30 Minuten ausgedehnt werden. Dies gilt

auch, wenn das Kind zwar zu weinen beginnt, sich aber rasch und dauerhaft von

der Erzieherin bzw. der Tagesmutter beruhigen lässt. Zeigt das Kind Anzeichen

von Erschöpfung (z. B. auch Rückzug zu dem Platz, an dem Mutter oder Vater

gesessen haben), sollte der Trennungsversuch für diesen Tag beendet werden.

Zeigt das Kind nach dem Weggang des Elternteils Anzeichen von Verstörung (erstarrte

Körperhaltung, deutliche Passivität) oder beginnt zu weinen und lässt sich

von der Erzieherin bzw. Tagesmutter nicht innerhalb kurzer Zeit beruhigen, so

kehrt der begleitende Elternteil nach längsten 3 Minuten in den Gruppenraum

zurück. Auch wenn das Kind diese Verhaltensweisen erst nach einigen Minuten

zeigt, kehren Mutter oder Vater wieder in den Gruppenraum zurück.

Die Erzieherin beobachtet während des Abschieds und bei der Wiederkehr des

begleitenden Elternteils das Verhalten des Kindes gegenüber Mutter oder Vater.

Es kommt dabei darauf an, durch Beobachtung des Kindes in der Grundphase und

während dieser ersten Trennung herauszufinden, in welchem Maß das Kind die

Anwesenheit von Mutter oder Vater über 6 Tage hinaus wirklich braucht. Häufige

Blickkontakte zu Mutter oder Vater, offene und unbefangene Annäherungen bis

zum Körperkontakt während der ersten drei Tage und bei Rückkehr von Mutter

oder Vater nach der ersten Trennung sind Anzeichen für die Notwendigkeit einer

längeren begleiteten Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Wochen.

Klare Versuche der Kinder, selbst mit Belastungssituationen fertig zu werden und

sich dabei nicht an den begleitenden Elternteil zu wenden, eventuell sogar Widerstand

gegen ein Aufnehmen, wenige Blickkontakte zu Mutter oder Vater und

seltene oder gar keine, oft eher zufällig wirkende Körperkontakte sprechen für

eine kürzere Eingewöhnungszeit von etwa sechs Tagen. Eine solche Entscheidung

ist wichtig, weil eine unnötig ausgedehnte Begleitung durch die Eltern manchen

Kindern eher schaden als nützen kann.

 

4. Eine Stabilisierungsphase, die mit dem 4. Tag beginnt und in der die Erzieherin

bzw. die Tagesmutter, zunächst im Beisein des Elternteils, in zunehmendem

Maße die Versorgung des Kindes übernimmt (Füttern, Wickeln) und sich ihm als

Spielpartner anbietet. Die begleitenden Eltern überlassen es jetzt immer der Erzieherin,

als erste auf Signale des Kindes zu reagieren und helfen nur, wenn das

Kind die Erzieherin noch nicht akzeptiert.

Unter Beachtung der Reaktionen des Kindes vergrößern sie für die Kinder mit

kurzer Eingewöhnungszeit täglich den Zeitraum, in dem das Kind allein mit der

Erzieherin bleibt, halten sich für den Notfall jedoch in der Nähe, nach

Möglichkeit in der Einrichtung auf. Mit Hilfe der Erzieherin bzw. der Tagesmutter

entwickelt der begleitende Elternteil ein kurzes Abschiedsritual mit dem

Kind, das von nun an eingehalten werden soll und dem Kind die tägliche Trennung

sehr erleichtern kann.

Akzeptiert das Kind die Trennung von den Eltern noch nicht und lässt es sich

während ihrer Abwesenheit von der Erzieherin nicht sicher beruhigen, sollte mit

weiteren Trennungsversuchen bis zur 2. Woche gewartet werden.

 

5. Eine Schlussphase, in der die Eltern sich nicht mehr gemeinsam mit dem Kind in

der Krippe aufhalten, jedoch jederzeit erreichbar sind, falls die Tragfähigkeit der

neuen Beziehung zur Erzieherin bzw. zur Tagesmutter noch nicht ausreicht, um

das Kind in besonderen Fällen aufzufangen. Die Eingewöhnung des Kindes ist

grundsätzlich dann abgeschlossen, wenn es die Erzieherin bzw. die Tagesmutter

als "sichere Basis" akzeptiert hat und sich von ihr trösten lässt. Dabei kann es

durchaus vorkommen, dass das Kind gegen den Weggang seiner Eltern protestiert

(Bindungsverhalten zeigt), das ist sein gutes Recht. Entscheidend ist, ob es sich

von der Erzieherin bzw. der Tagesmutter schnell beruhigen lässt, wenn die Eltern

gegangen sind und sich danach interessiert und in guter Stimmung den

angebotenen Aktivitäten zuwendet.

 

Insgesamt muss berücksichtigt werden, dass auch unter günstigen Bedingungen der Eingewöhnungsprozess den Kindern hohe Anpassungsleistungen abverlangt. Es kann häufig beobachtet werden, dass die Kinder nach dem Aufenthalt in der Kindertagesstätte oder Tagespflegestelle in der ersten Zeit sehr müde sind. Die Eltern sollten darauf hingewiesen werden. In diesem Zusammenhang ist es deshalb sehr wichtig, dass die Kinder, wo immer dies möglich ist, während der ersten Wochen ihres Krippenbesuchs nur halbtags die Einrichtung besuchen.

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